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                        Mein Praktikum

                  beim Tierarzt                                        

 

 

Hier möchte ich euch mein Praktikum vorstellen: Vom 15.4.-03.05.2002 habe ich ein Praktikum bei meinem Tierarzt gemacht. Es waren drei der interessantesten und schönsten Wochen meines bisherigen Lebens.

Ich habe jeden Tag einen Tagesbericht geschrieben für die DMSL (www.DMSL.de). Dieselben Tagesberichte könnt ihr jetzt hier lesen. Viel Spaß dabei!

 

TAG 1

 

Hallo Susanne, hallo Liste!

> erzähl doch mal von deinem Praktikum beim TA. Machts
> dir Spaß oder hast du ständig einen Klos im Bauch
> wegen der ganzen kranken Tiere?

Es war ein richtig toller Tag muss ich sagen ;-) "Toll"
meine ich jetzt mit "sehr informativ und spannend", denn es
ist ja weniger toll, kranke Tiere sehen zu müssen. Umso
toller ist aber, wenn man ihnen helfen kann.
Heute morgen um 7:00 Uhr war ich da, 7:20 Uhr hat der Doktor
mich mit auf "Bauernhof-Tour" genommen ;o) Wir, oder besser
er, hat -glaub ich- 7 künstliche Besamungen gemacht, 2
Euterentzündungen festgestellt und alles schön erklärt. Ich
durfte dann für die Kühe solche Papiere ausfüllen, wann und
wie oft schon sie besamt wurden.
Tja und so ging es von einem Bauernhof auf den nächsten-
etwas mulmig wurde mir, als der Doktor einer Kuh, die erst
einen kaiserschnitt hatte, die Nachgeburt rausholte. Das sah
ungefähr so aus wie eine Mischung aus frischem Darm und
magen ;-(, die er umstülpte und rauszog *schluck* ;o)
---gegen halb 12 waren wir dann wieder in der Praxis, eine
TA-Helferin erklärte mir dann ein paar Laborarbeiten wie das
Überprüfen von Pferdekot auf Würmer, und welche
Gerätschaften es da gibt.
12:15 war erst einmal Feierabend, zwanzig vor eins war ich
zuhause und hab dann in aller Ruhe die Liste abgerufen ;o),
bis es dann um 16:30 wieder "an die Arbeit" ging. Da war ich
in der Kleintierpraxis und hab dort Hunde und Katzen
gekrault und festgehalten und vorm gefürchteten Pieks
abgelenkt ;-) Mein hauptjob war es, nach jedem Patienten den
Untersuchungs-Tisch zu desinfizieren :-) Hat Spaß gemacht
*lol* Nachmittags hat der TA dann Belehrung mit mir gemacht,
hat halt erzählt an was für Pflichten ich mich da halten
muss (Schweigepflicht) und wie das läuft mit den
Medikamenten und geräten, auch wie man mit den Tieren
umgehen muss (natürlich auch mit deren Besitzern).
Naja, so ein Praktikum ist hauptsächlich da, um einfach
zuzugucken und mal ein Bild zu kriegen wie so ein tag bei
nem TA aussieht. Die meiste Zeit hab ich halt dagestanden,
zugeschaut und dem Doc was festgehalten und gereicht. Ich
denke für den ersten Tag, für die erste Woche, reicht das.
Bin ganz froh dass ich bei der künstl. Besamung nicht allzu
viel anpacken musste ;-)
Freu mich schon auf morgen :-)
Danke übrigens der Nachfrage :-))
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TAG 2

Hallo Liste,
auch heute möchte ich meine Erlebnisse dieses tages mal bei
euch loswerden, wenn's nicht stört ;-)
Heute morgen war wieder Bauernhof-Tour angesagt. Einem Pferd
wurden die Zähne geschliffen, Kühe wurden auf Trächtigkeit
getesten und ich durfte abhaken *stolz sei* *lol*
Dann gab's ein Pferd mit Koliken und ein Kälbchen mit
Bauchweh was ich von der Spritze ablenkte indem ich es an
meinem Finger lutschen ließ *süüüüüüüß*.
Heute Nachmittag in der Praxis wurden ein paar Hunde und
Katzen geimpft und dann kam ein kleines Etwas, was eher nach
einem Wollehaufen aussah als nach einem Löwenkopfkaninchen,
herein, war ganz verklebt und stank fürchterlich....und es
war genau das Kaninchen, von dem ich euch berichtet hatte,
wo ich vor ein paar tagen doch in der Zoohandlung noch
versucht hatte die beiden Menschen zu einem zweiten Meerie
umdenken zu lassen und ich doch ein paar Läden weiter
mitkriegte, wie die Frau einer anderen erzählte dass sie nun
ein Kaninchen für ihr Meerie gekauft hätten.
Naja, jedenfalls war der ganze After verschmutzt und das
Tier nur noch Haut und Rippen. Mein TA sagte, das kleine hat
für sein angebliches Alter von 6 Wochen nicht mal 40% des
Normalgewichtes was es haben _müsste_ drauf. Er wog nicht
mehr als 200 g :-(((((
Naja, er bekam dann Elektrolyte und für zuhause Nococcin
(das hatte ich damals für meine Julia auch bekommen und das
hatte ihr das Leben gerettet- damit konnte ich dem Kind, was
dabei war, noch etwas mut machen...) und noch eine
Aufbauspritze. Es war echt hart, musste schon mit den Tränen
kämpfen, denn der Geruch von diesem Durchfall und der vom
Medikament schossen mir gleich wieder wie damals in die
Nase- dabei ist es schon 4 Jahre her mit Julia. Das war mir
gleich bekannt und mir kam das schaudern...
 Die Frau sagte immer wieder, das wäre das
letzte mal gewesen dass sie ein Tier aus der Zoohandlung
gekauft hätte...wenigstens was...
Der TA gab dem kleinen Wollknäuel fast keine Hoffnung mehr
und meinte, entweder er überlebt die Nacht oder nicht. Das
kleine "Ding" lag breitbeinig und apathisch auf dem Tisch.
Ob's überlebt stellt sich morgen raus, die Frau will sich
morgen melden.
......
Morgen früh um 10 könnt ihr bitte mal die Daumen für mich
drücken ;-), denn da ist eine Kastration bei einer Hündin
und ich hoffe doch dass meine Beine mir da eine Stütze sind-
nicht dass ich da auf einmal wegklappe :-(...Naja, aber als
der TA die Nachgeburt bei der Kuh entfernt hat gestern, das
hab ich ja auch überstanden ;-)
Morgen nachmittag ist auch eine OP um 16:00 Uhr, bin auch
dabei. Da ja keine Sprechstunde und nix ist Mittwochs, hätte
ich eigentlich glaub ich frei, aber er will mich bei der OP
dabeihaben...Mal schaun wie ich das wegsteck
*beinekribbelnjetztschon* *gg*
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TAG 3

Halli Hallo,

Bin jetzt erst gerade reingekommen. Eine Kastration bei ner
Hündin wär fast tödlich ausgegangen (sehr starke Blutungen
im bauchraum) und in letzter Sekunde konnte sie noch
gerettet werden. Noch näher beschreib ich das glaube ich
nicht, ich wunder mich ja schon wie ich das überstanden
habe- übrigens, meine Beine hielten mich problemlos
aufrecht, auch als ein Teil des Dünndarms zum Vorschein kam
oder als der Doc mir am Schluss die Gebärmutter zeigte...
Die OP dauerte drei Stunden. Da für heute nachmittag nichts
mehr anstand durfte ich nach Hause gehen. Naja, meine
knappen 8 Stunden hab ich jetzt ja auch schon voll für heute
;-)
...meine erste OP und gleich mit Komplikationen, naja, was
will man machen. Die Hündin ist, als ich gefahren bin, schon
langsam wach geworden. Während der OP sah es so aus als
würde sie nie wieder wach werden :-(((
Vielen Dank, dass sie es geschafft hat, vielen Dank, an wen
auch immer :-)
Das war das einzige was ich heute erlebt habe aber sowas
schlaucht schon ziemlich.

Zu dem (Kokkzidien-)Ninchen von gestern kann ich bis jetzt
noch nichts sagen, ich habe den Doc gefragt ob sie sich
schon gemeldet haben, leider nein. Hoffe dass sie es morgen
noch tun, bin auch gespannt ob's gut gegangen ist.
Wenn ich was weiß sag ich es euch.
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TAG 4

Hallo ihr lieben,
auch heute werde ich wieder von meinem Tag berichten :-)
Heute morgen ging's wie gewohnt auf Bauernhof-Streife. Dort
wurde wieder besamt, geimpft, abgetastet. Das "übliche" eben
:-)
Mein nachmittagsdienst fing schlimm an. Als ich ankam sagte
man mir dass das kleine Löwenkopfzwergkaninchen, von dem ich
euch berichtet hatte, verstorben ist :-((( Da musste ich
ganz schön kämpfen und hab mich erst einmal abgelenkt (Tisch
desinfiziert)...ich könnte heulen wenn ich dran
denke...dieses winzige, rotbraune Fellbüschel, Haut und
Knochen....es waren Kokkzidien...*heul*
Später kam ein Dackel, 12 Jahre, der schlecht hörte und weil
er so ein Zappelphillip war, musste er eine kleine Narkose
kriegen. Ich sah zu wie die TA-helferin ihm die Ohren putzte
und setzte mich danach zu ihm um dazusein wenn er wach wird.
Er tapselte und torkelte von seinem warmen Plätzchen zu mir
rüber und ließ sich gegen mich plumpsen. Ich streichelte ihn
und redete ihm gut zu damit er wusste dass jemand bei ihm
ist, und als seine Besitzer kamen war er zwar noch etwas
"benüsselt" aber schon "da".
Um exakt 17:58 Uhr *lol* habe ich meine erste Spritze selbst
aufgezogen und alle nötigen Einträge ins Impfheft
geschrieben. Es war wieder ein sehr interessanter
Praktikumstag- ich hatte im Kuhstall heute morgen sogar ein
paar Fotos geschossen.

Übrigens: die Hündin mit der Not-OP hat die nacht sehr gut
überstanden und konnte heute morgen wieder nach Hause, ihr
geht's "gut", wie's einem frisch operiertem Hund nun mal
geht. Aber es geht ihr nicht schlecht, sondern einfach so
wie es normal ist nach einer Hunde-OP. Da fiel mir heute
morgen ein Stein vom herzen als ich zu ihr ging und sie mich
so treu anschaute.

Am meisten herunter gerissen hat mich der Tod des
Kaninchens, das ist echt hart, ich hatte so gehofft es kommt
noch durch. Der TA hatte mir jedenfalls schon früh gesagt
dass es wahrscheinlich keine Chance hat. Er sagte, das
Ninchen hätte höchstens 40 % von dem Gewicht gehabt was es
für sein Alter hätte haben müssen....es hatte nichts
entgegen zu setzen, auf dem Untersuchungstisch sah es schon
aus als wäre es kurz vorm Tod. Vielleicht hätte man ihm die
letzten schweren Stunden ersparen können....
Das ist wahnsinnig traurig, aber leider gehört auch das
dazu

 

TAG 5

Halloooooo Listies!!!
Auweia, heute ist schon die erste Woche meines Praktikums
um, _leider_. Die verging wie im Flug und es sind so viele
Eindrücke auf mich eingeprasselt, die ich am Wochenende erst
mal auf mich wirken lassen muss.
Heute morgen auf dem Bauernhof hatte ein Kalb starken
Durchfall, lag wie tot am Boden und atmete schwer. Der Doc
wollte das Kleine an den Tropf hängen, aber was meint ihr,
wie lange es gedauert hat, bis Blut in die Kanüle trat-
sobald es drin war, war es sofort wieder fest und klumpig.
Als er dann endlich eine Stelle getroffen hatte an der zwar
nur wenig aber wenigstens immerhin Blut lief, wollte er
gerade die Infusion anschlißen aber das Blut war wieder fest
geworden und so musste wieder weitergesucht werden...
Nach einer Weile hatte er dann endlich geschafft den Tropf
anzuhängen und es lief dann auch gut. Vom halbtoten Kalb
wurde dann ein Kälbchen, dass den Kopf wieder hob und uns
hinterher schaute, als wir gingen. Es stand wirklich sehr
schlecht um das Kleine.
Außerdem waren heute 6 (!) Katzenkastrationen (habe sogar
Fotos gemacht), dann wurde noch einer Kuh die nachgeburt
entfernt, wieder ein paar Kühe besamt und eine Katze bekam
einen Einlauf.
Bis jetzt kann ich:
-Spritzen aufziehen
-Besamungsprotokolle _alleine_ *lol* führen
-Den Vettest (zum Bluttesten) bedienen
-Tisch desinfizieren *lool*

Tja, nun erst mal alles sacken lassen.
Bin müde :-)
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TAG 6

Nabend Liste :-)
heute mal wieder der Praktikum-Bericht.
Aaaaalso:
Heute morgen war wie immer Bauernhofstreife. Eine Kuh hatte
eine besondere Art von Euterentzündung, die sich besonders
schwer äußert ; das betroffene Euterviertel stirbt ab. Dies
ist für die Kuh unwahrscheinlich, unbeschreiblich
schmerzhaft. Man kann es im fortgeschrittenen Stadium nicht
mehr gut behandeln. Die Kuh hat jetzt zwar Antibiotika
bekommen, aber man kann ihr nicht mehr helfen. Der TA musste
heute morgen ihr Todesurteil fällen: sie kommt jetzt drei
Tage auf die Wiese, da sie wegen der Wartezeit des
Antibiotikas noch nicht geschlachtet werden darf. Übersteht
sie die drei Tage, wird sie dann geschlachtet, geht es ihr
vorher schlechter, wird sie "so" getötet :-((( Nicht
besonders schön die Kuh da liegen zu sehen mit ihren müden
Augen und zu wissen dass sie allerhöchstens noch drei Tage
zu leben hat. Da wird einem ganz anders.
(Ich glaube ich erwähne bei der Großtierpraxis nicht jeden
Tag extra, das besamt wurde- das ist ja Routine und liegt
jeden Morgen an)
Dann in der Kleintierpraxis kam ein kleiner Zwergpischer
"oder sowas in der Art" *g* von zarten 10 Wochen an (und nur
1,35 kg leicht *süüüß*). Er hatte sich beim spielen mehrmals
überschlagen und ist zu allem übel auch noch die Treppe
heruntergeflogen. Das Ergebnis: gebrochene Elle und
gebrochene Speiche. Mit der TA-helferin habe ich die
Röntgenbilder entwickelt.
Die Brüche sollten eigentlich mit winzigen Nägeln genagelt
werden aber man entschloss sich doch zum eingipsen, da die
Knochen selbst für diese kleinen Nägel zu fein waren (bei
Welpen sind die Knochen noch porös). Ich habe die meiste
zeit mit dem kleinen heulenden Wuffi auf dem Arm im Büro
gesessen und Körperwärme gespendet weil er nicht allein in
der Box sein wollte (hat die praxis zusammen geschrien *g*)
und so hat er sein winziges Köpfchen auf meine Schulter
gelegt und hat selig gedöst bis seine Besitzer kamen.
Dann wurde ein Kater kastriert. Der eine Hoden war im Bauch
"verschwunden" und der TA setzte einen kleinen Schnitt
nachdem er abgetastet hatte und "plopp" kam der Hoden raus
:-) Der und der andere wurden dann weggenommen. Mit einer
TA-helferin habe ich die Hoden geöffnet (die dann aber
bereit separat auf dem Tisch lagen *g* keine Angst, der
Kater war nicht mehr dran) und einen "Abstrich" gemacht.
Dann haben wir unterm Mikroskop nachgesehen und ich habe
sogar Spermien entdeckt *froi* War suuuuperinteressant!
In dem Hoden, der vorher in der Bauchhöhle war, waren keine
Spermien vorhanden (war zu warm, sodass sie sich nicht
entwickeln konnten) und dieser Hoden war auch kleiner und
viel härter als der andere. Habe sogar Fotos davon gemacht
;o)
Tja, dann wurde noch geimpft, gepiekst und abgestempfelt und
im großen und ganzen war's dat für heute.
Morgen früh um halb elf wird die Schwester der Not-OP-Hündin
(die uns doch da fast verblutet war) ebenfalls kastriert,
die TÄ haben nun etwas Bedenken weil der Hund ebenso alt ist
und es auch kein leichter Fall sein wird. Mensch, dieser
Pessimismus ;-)
Ich geh die Sache jedenfalls locker an, werde auch bei
dieser OP wieder Pfötchen halten, Augensalbe verabreichen
und Lidreflexe testen, und nebenbei Daumen drücken. Falls
morgen früh von euch auch jemand Zeit dafür hat kann er
mithelfen beim Daumendrücken dass alles ohne Komplikationen
läuft.
So *gäähn* werde heute ein bissel eher im Bett verschwinden,
denn morgen ist bestimmt mehr los als heute.
Und morgen gibt's dann wieder den nächsten Bericht.
Schlaft schön!
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TAG 7

Hallöööööle!
Das war ein sehr sehr interessanter Tag (besser gesagt;
nachmittag)
Erst die Hündinnen-Kastration (das war die Schwester von der
Hündin die uns neulich fast verblutet wäre), bei der
dasselbe Problem auftrat! Das hatten die Docs aber schon
vorher geahnt und haben gleich mehr rasiert und waren drauf
vorbereitet, weswegen es ganz gut verlief. Es hat auch nur
anderthalb Stunden gedauert und der Hund konnte zwei Stunden
später wieder abgeholt werden.
DANN kam ein Meerie. Ich hörte mir an welche Beschwerden es
gab..."Frisst nicht mehr"...durch eure Mails schoss mir
gleich durch den Kopf dass es die Zähne sein würden- und
tatsächlich, das arme, kleine Meerie von 520 g (war das
süüüüüüüß!) hatte so verwachsene Backenzähne, dass es
Futterreste zwischen Zähne und Wange gedrückt hatte, um es
abzupolstern weil es solche Schmerzen hatte. Der TA warf
einen Blick ins Mäulchen (also diese Dinger, womit man das
Mäulchen vorsichtig öffnet, sehen ja brutal aus *schauder*)
und da fuhr mir ein kalter Schauer über den Rücken: Die
Backenzähne wuchsen in der Mitte über der Zunge schon
aufeinander zu! Tja und dann wurde "gesäbelt" (das
Geräusch...wie beim Zahnarzt) und korrigiert. Das Meerie
hatte eine kleine Narkose bekommen. Die Kleine war so süß.
Die besitzer (Mutter und ca. 13 jähriges Kind) haben dieses
"Astronauten"-Fertigpäpplfutter von Waltham mitbekommen. Ich
musste einmal so lachen: Die Mutter sagte noch zu ihrer
Tochter: "Willst du nicht lieber rausgehen?", Tochter
schüttelte tapfer den Kopf aber war den Tränen nahe. Doch
als das Schweinie wimmernd auf den Tisch gelegt wurde fing
die Mutter an zu heulen und da fragte die Tochter "Mama,
willst du nicht lieber raus?". Hörte sich schon lustig an
;-) Selbst ich hatte in dem Moment mit den Tränen zu
kämpfen, ehrlich. Das kleine Schweini, so klein, jammernd.
So, das hat mir so in den Fingern gekribbelt, das ich erst
jetzt von der Großtierpraxis am Morgen erzähle ;-)
Ja, es gab eine Kuh mit Euterbrand. Euterbrand ist eine sehr
schlimme Euterentzündung (die Erreger sind die selben wie
bei Hepatitis) und nicht zu heilen. Aus dem Euter kam Blut
anstatt Milch und fast das gesamte Euter war blau und
eiskalt. Die Kuh hatte Untertemperatur und lag schwach am
Boden.
Ihr half leider nur der Bolzenschuss. Man hätte noch AB
geben können, aber sie war so schwach dass sie es selbst
damit nicht eine Stunde länger geschafft hätte.
Auf einem anderen Bauernhof sollte eine Kuh enthornt werden.
Das war ein sehr blutiges Ereignis ;-( Naja, es wurde halt
gesägt und dabei ein kleines gefäß verletzt. In dem Moment,
als das geschah, stand ich aber gerade in "Schussrichtung"
und sollte das Horn festhalten, als es plötzlich abfiel und
ein Blutstrahl mich von oben bis unten besprenkelte. Ich
habe wirklich "toll" ausgesehen, das Blut lief mir im
gesicht runter, hing in meinen Haaren und auch Jacke und
Hose waren nicht verschont geblieben.
-------an alle die jetzt denken "arme Kuh"- sie wurde vorher
natürlich betäubt!-------
So, im großen und ganzen war's das. Wie immer wurde auch
wieder besamt am Morgen.
Ach halt, da war noch ein Hund mit einem Fremdkörper im
gehörgang, der aber mit einer Spülung herausbefördert werden
konnte.
Schönen Abend wünsche ich noch!
PS: unglaublich- der siebte Tag ist schon um. Meinetwegen
könnte ich das ganze Jahr Praktikum machen. Es ist so
interessant alles.
PPS: Fotografiert habe ich heute die Hunde-Gebärmutter samt
Eierstöcke nach der OP.
--------------

TAG 8

Huhu!
"Waas, jetzt schon?" werdet ihr euch fragen, jepp, da ich
heute nachmittag frei bekommen habe weil keine Sprechstunde
ist :-)
Deshalb gibt es auch heute nur einen
Bauernhof-Besuchs-Bericht ;-)
Oooookeeee....:
Es wurden heute morgen sechs Bullen kastriert. Dazu nahm der
TA die Hoden in die Hand und klemmte jeden Hoden für einen
kleinen Moment mit einer speziellen Zange, denn dadurch
wurde als allererstes der Nerv gekappt sodass die Bullen
nicht mehr spürten. Dann wurde der Samenleiter jedes Hoden
abgedrückt. Die Hoden bilden sich dann immer weiter zurück
und irgendwann sind sie kaum noch da (trocknen also aus,
weil sie ja nicht mehr durchblutet werden).
Bei sechs Bullen geht sowas ratz-fatz.
Dann wurde eine Nachgeburt bei einer Kuh entfernt die erst 2
Std. vorher gekalbt hatte.
In der Praxis wurde eine Ziege mit Blähbauch behandelt.
Und *stolzsei* im Büro haben sich die Tierärzte meine HP
angesehen ;-) *gg

Tja, das war's für heute, morgen gibt's wohl wieder mehr zu
berichten.
PS (@Mel): Fotos gibt es bestimmt nochmal zu sehen!!! :-)
So, nun geh ich erst mal ne Runde mit dem Hund (nachdem ich
den Meeries einen riesigen Auslauf gebaut habe ;-))
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TAG 9

Hallo ihr lieben,
heute wieder "vollständig", also ein ganzer Tages-bericht.
Heute morgen auf bauernhof-Tour war es eher unangenehm. Wir
sollten Blutproben von 97 Kühen entnehmen und ich hatte die
Aufgabe, die Spritzen dafür zu preparieren, also die Kanüle
aufzusetzen. Naja, und dabei habe ich aus Versehen immer und
immer wieder in die Kanüle gegriffen und irgendwann war
meine gesamte linke Hand rot ;-)....das Blut (in diesem
Falle mein eigenes!) tropfte mir von den Fingern und der TA
musste lachen und hatte schon bedenken, dass ich das
Blutergebnis der Kühe beeinflussen könnte *lol* Er redete
schon von "Transplantation"...*loool*
Na, das gehört eben dazu, nächstes Mal wende ich eine andere
"Kanülen-Auspack-Technik" an ;-)
Vorhin in der Kleintiersprechstunde habe ich mir dann zu
allem übel auch noch Desinfektionsspray über meine
zerstochene Hand gekippt *jaul* Wie schön, wenn der Schmerz
nachlässt *hechel*
Dann gingen wir in einen Kuhstall und mir wurde eine Kuh
gezeigt, die Euterbrand hatte, festlag und nur noch litt.
Schrecklich genug. Hatte nur nicht damit gerechnet, dass der
TA im nächsten Moment das Bolzenschussgerät auspackt. habe
dann nachgefragt ob ich mir das mit ansehen _muss_ aber der
TA sagte nur "Unsinn, geh lieber raus!"...hab ich auch
getan. Wollte nicht unbedingt zusehen. Hab mich dann ins
TA-Auto gesetzt und das Radio laut gedreht damit ich den
Knall nicht höre.
Als die "sache" erledigt war holte der TA mich zur
Schwangerschaftsüberprüfung und notgedrungen musste ich
dafür durch den Stall wo das tote Tier lag. kein schöner
Anblick. Musste ganz schön mit den Tränen kämpfen.Ja, ich
weiß- im Schlachthof geht es ihnen nicht anders :-(((
Nachmittags in der Kleintierpraxis war ein Pärchen mit einem
Kaninchen die eine Myxomatoseimpfung wollten. Und danach
hatten sie noch einen ganzen Zettel voller Fragen, die der
TA mit ihnen besprochen hatte.
Irgendwie wurde mir dann aber ohne Grund schummerig- ich
stand da, nachdem das Ninchen dann wieder weg war, und eine
Katze kam rein zur Impfung. Eine Katze, ohne Blut ;-) ist ja
komisch, eine Not-OP vertrage ich, aber bei der Katze die
nur geimpft werden sollte wurde mir speiübel, mir wurde
schwarz vor Augen und ich rannte raus.Getrunken hatte ich
genug, gegessen auch, was weiß ich warum ich den Anblick
einer süßen Katze nicht vertragen hatte ;-)
Naja, als ich dann wieder durchkam bekam ich mit wie die
Mutter und das Kind von gestern (ich hab davon berichtet)
mit dem Meerie (backenzähne hatten Brücke gebildet) bereits
aus dem Behandlungsraum rauskamen :-( Man ey, jetzt kommt
schon mal ein Meerie und ich klapp zusammen :-(
Naja, das Meerie röchelte. Es hatte von dem Astonautenfutter
war eingeatmet und das saß nun in der Lunge. Es bekam ein AB
und muss morgen wieder kommen. Der TA meint, es sieht nicht
gut aus. Aber wenn es morgen noch lebt, hat es das
schlimmste überstanden, sagt er. Hoffen wirs. Bitte einmal
Daumen drücken für die kleine Mimi.
....und das war's auch schon wieder für heute, weil dann
Feierabend war. Ich rätsel bloß immer noch warum ich da so
einen Schlappi gemacht habe, bei einem harmlosen Kätzen,
kein Blut, kein Nix. Ph, lächerlich *lol*

Na gut, schlaft schön, bis morgen. Bin jetzt echt k.o. :-)
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TAG 10

Hallo Liste,
von diesem Tag gibt es fast gar nichts positives zu
berichten.
heute morgen blieb ich mir einer TA-Helferin in der Praxis
(da war dann doch positiv, ist mal was anderes als jeden Tag
Kuhstall) und habe beim Feudeln und durchlüften geholfen und
kann jetzt sogar schon das Programm mit den künstlichen
Besamungen bedienen (am PC). Der TA musste grinsen als er
mich am PC gesehen hat und hat scherzhaft gemeint "Da
könntest du ja ab und zu mal aushelfen". Jetzt mal ganz im
Ernst, das würd ich sogar gerne tun ;-)
Der Nachmittag war schlimm. Euer nettes Daumendrücken für
die kleine Mimi (das Schweinie mit den Zähnen und dem
astronautenfutter) ist heute morgen gegen 7 Uhr gestorben.
Es hatte ja Futter in die Lunge bekommen. Die Mutter kam
allein weil die Tochter nicht mitwollte. Die Mutter hatte
einen roten Kopf und ganz wässrige Augen. Sie hat mir
wahnsinnig leid getan. Leute, geht zu euren Meeries (oder
überhaupt zu euren Tieren) und knuddelt sie mal ganz doll.
Dafür, dass es sie gibt. In solchen Momenten wie diesem
vorhin in der Praxis wird einem auf einmal bewusst wie gut
man es mit gesunden Tieren hat und wie schnell sowas gehen
kann.
Die Mutter hatte berichtet, wie es abgelaufen war. Um 5 Uhr
morgens war ihr Mann hin und hat nachgeschaut, da ging's
Mimi noch "gut", d.h. sie hat noch geatmet. Julia (die
Tochter) hat in der Stube geschlafen weil sie Angst hatte.
Und heute morgen um 7 war die Mutter nach ihr sehen und da
hat Mimi sie ganz friedlich angesehen, so schien es, und ihr
Körper war noch warm. Allerdings war sie da schon nicht mehr
am Leben. Die Mutter ezählte, dass sie es für schlimm hielt,
dass sie Mimi die Augen nicht schließen konnte weil sie
nicht zublieben und sie immer das Gefühl hatte, Mimi würde
sie noch anschauen und leben.
Morgen früh muss ich noch Einstreu kaufen und auf dem Weg
komme ich an dem Haus vorbei, wo Mimis Besitzer wohnen. Ich
kenne sie vom sehen. Ich würde ihnen gern die Geschichte von
der RBB vorbeibringen, um ihnen Trost zu spenden. haltet ihr
das für richtig oder soll ich noch warten? Für die Tochter
ist Mimis Verlust besonders schlimm, sie hatte einen
Nervenzusammenbruch. Sie ist ja erst 13. Meint ihr, ob ihr
die Geschichte hilft und ihr die Gewissheit gibt, dass es
Mimi gut geht?
...
Dann war ich dabei als der TA einer Frau erklären musste,
dass ihr Hund nur noch 2, höchstens 3 Wochen zu leben hat.
Er hat einen Tumor an der Wange, der schon so groß ist, dass
er auf die Luftröhre und die Speiseröhre drückt. Er ist
inoperabel.
Was für ein Nachmittag.
Jetzt ist Wochenende und das kann ich gut gebrauchen.
Leider gehören solche Sachen ja zu diesem Beruf.
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TAG 11

Oh nee :-(
Schon der 11. Tag vorbei :-(
Nur noch 3 tage Praktikum. Die 3 Wochen sind verflogen wie
nix gutes :-(
Heute morgen war gar nicht *so* besonders viel los. Eine Kuh
mit 40,8° Fieber und Gefahr auf Euterseuche. Fast
durchsichtige Milch, wenn man es überhaupt Milch nennen
kann. Viele kleine, gelbe Stückchen kamen heraus, wie saure
Sahne- oder wie kann man's sonst beschreiben?
Dann war ein Pferd dran, der Doc sollte die Scheide
untersuchen (ist jetzt neuerdings Pflicht, wenn das Pferd
entweder verfohlt, gerade gefohlt oder bis ihrem 1.
Lebensjahr noch gar nicht gefohlt hat). Der Doc nahm dazu
ein Spekulum und eine Taschenlampe (sah nicht gerade
angenehm aus) und ich durfte auch mal "einen Blick hinein
werfen". Ich konnte den Muttermund sehen und es war
erstaunlich, wie gut man das alles erkennen konnte.
Danach ist der Doktor mit mir durch Feldwege gefahren, mit
Fernglas bewaffnet, und hat mir das Wild, was da "so
herumlief", :-), gezeigt. Manchmal lagen ganze Horden von
Rehen da, mindestens 25 Stück an einer Stelle. War richtig
toll. Und sie waren ganz ruhig und ungestört und der Doc hat
sein Auto ausgemacht und wir haben mit dem Fernglas alles
bestens sehen können. Und dann im großen Jeep vom Doc, da
kommt man sich vor wie auf Safari-Tour :o))
In der Kleintiersprechstunde am Morgen war ein Kaninchen mit
Durchfall und ich half, den Po zu reinigen. Danach machte
ich ein Medikament drauf.
Und dann gab's wieder eine ganze menge k.B.'s (künstliche
Besamungen) in den PC einzutragen, geht jetzt wie am
Schnürchen, wenn man's ein paar Mal gemacht hat geht das
ratzfatz. Die Docs finden das toll, und die TA-Helferin
auch, gibt nämlich momentan sowieso genug zu tun und da sind
sie ganz froh wenn ihnen einer so etwas abnimmt, ab und an
:-)
UND Kaffee gekocht hab ich auch *loool*: bei uns zuhause
trinkt niemand Kaffee und unsere Kaffeemaschine ist nur an
Geburtstagen in Gebrauch (und dann von Mama), und nun habe
ich in meinem Praktikum gelernt wie man Kaffee kocht ;-) Die
eine TA-Helferin lachte sich kaputt und stellte sich schon
in Pose so nach dem Motto "Mach mal Fotos: 'Wie koche ich
Kaffee?'" Hat mir übertrieben albern verschiedene Szenen in
"Zeitlupe" vorgespielt :-D... Hatten viel Spaß!!!

Heute nachmittag war gar nichts los, von 17-18 Uhr war
Sprechstunde und um 17:55 Uhr kam jemand mit einem kleinen
Hund (nur zur Nachsorge weil er sich extrem gekratzt hat)
und der Besitzer wurde noch beraten und dann war auch schon
bald wieder Feierabend, ich sortierte noch Abgabebelege in
die verschieden Landwirts-Mappen ein und verabschiedete mich
dann.

Tja, im großen und ganzen war's das, morgen früh wird einem
Hund Zahnstein entfernt und alles andere gibt sich dann im
Laufe des Tages.

Schönen Abend wünsche ich noch,
Viele liebe Grüße
Melli (müde) und Co (jetzt erst recht richtig aufgeweckt
;-))

PS: Hm, hatte gedacht, der Winter ist vorbei, und nun musste
ich doch wieder eine Isomatte vor den Kaninchenstall hängen
(zur Hälfte) und mein Fenster bleibt diese Nacht auch
zu...aber hat ja auch was gemütliches, dieses blöde Wetter
;-)
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TAG 12

Hallöchen Liste,
heute morgen war wie jeden Morgen Bauernhofstreife- was
gabs- hm. Ein Kalb mit Magen-Darm-Virus, hatte blutigen
Stuhl, bekam AB. Kuh hatte an ihrem Euter eine fünfte Zitze
die entfernt wurde. Und wieder k.B.'s. Und ein Fohlen wurde
gegen die Fohlenlähme geimpft.
Halb elf war eine Katze da zum Zahnsteinentfernen. Habe
wieder ein paar Fotos gemacht, leider hatte ich auf meinem
36er Film erst 16 Praxis-Bilder, aber ich musste den Film
heute vollkriegen damit ich es mit der Praktikumsmappe unter
einen Hund kriege. Schade, hätte gern noch mehr
Praktikumsbilder gemacht, aber so habe ich den Rest des
Filmes zuhause verjuxt und *noch* mehr Meerie-Fotos gemacht
;-)
Heute nachmittag war nicht viel los, ein Hund mit
Prostata-Problemen bei dem das ganze schon auf den Darm (!)
geschlagen hatte und er sich krümmte vor Schmerzen. Ein
11-jähriger Hund war da, die besitzer meinten er würde
schlechter sehen- und tatsächlich, er war fast blind.
Ein kleiner Wuffi war noch da und hat sich eine Wurmkur
abgeholt (musste lachen, die Besitzerin sagte: "10 kg
Wurmkur, bitte!", meinte natürlich das Gewicht des Hundes,
aber ich sah sie in Gedanken schon mit 10 Kilo Wurmkur
hinausschleppen *grins*).
Und dann war's das auch schon wieder. Nee, halt, habe mir
mit der einen TA-Helferin noch zecken, Läuse und Flöhe sowie
Milben unterm Mikroskop angesehen. Mensch, war das
interessant!!!

Der 1.Mai klaut mir einen wertvollen praktikumstag, das is
nicht fair ;-)
Tja, nun nur noch Donnerstag und Freitag, seuftz, man ging
das schnell.
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Vorletzter Tag L

Hallo liebe Listies,
heute morgen wurde ich gleich empfangen mit den Worten "Na,
du, heute vorletzter Tag, was?" Der Doc kam mir mit einem
Grinsen entgegen und ich sagte nur "Ach, lassen sie mich
damit bloß in Ruhe, ich will nix davon hören" ;-)
(Hat mich ganz verlegen gemacht: er sagte "Die drei Wochen
sind verflogen, was? Spricht ja für die Qualität unserer
Praktikantin" *rotwerd*)
So. Heute morgen  wieder Großtierpraxis, massenhaft
enthornungen und 55 Blutproben nehmen. Diesmal habe ich mich
NICHT zerstochen sondern habe die Kappe bis zum letzten
Augenblick drauf gelassen ;o)
Das Enthornen hat mich aber mitgenommen, echt. Ich finde,
dass sieht hart aus. Die Rinder haben zwar alle eine lokale
Betäubung bekommen aber gebölkt haben sie trotzdem, denn das
Sägen brummt schlimm in ihrem Kopf weil es direkt in die
Stirnhöhle zieht. Vom Sägen entstand ja auch eine enorme
Wärme und von diesem Geruch (Gemisch aus verbrannttem
Fleisch und verbrannten Fingernägeln) wurde mir ganz anders.
Ich musste mich ernsthaft zusammenreißen, denn bei einem
Rind kam aus der Stirnhöhle zähflüssiger, eitriger Schleim
gelaufen. Der TA erklärte, dass dies aber gut sei, denn das
wäre zu vergleichen wie mit unserer Sitrnhöhlenvereiterung
(also leute- wenn ich mal eine Stirnhöhlenvereiterung
bekomme oder irgendwo höre, werde ich immer an diese Suppe
denken müssen die dem Tier aus den Schädel gelaufen kam :-()
Als wir dann zurück in der Praxis waren hab ich mir einen
Tee gekocht und mich erst mal rausgesetzt. Das brüllen der
Rinder saß immernoch tief in meinen Ohren und das Bild von
diesem Schleim konnte ich nicht vergessen. Ich musste lange
frische Luft holen, und sobald ich aufstand, wurde mir
wieder schlecht und ich bekam Kopfweh. Ging dann aber nach
einer Weile und so machte ich dann die Kleintiersprechstunde
mit (eine Kastration beim Hund ließ ich aber für mich
ausfallen, das hab ich mir heute morgen nicht zu getraut,
war so knirtschig auf den Beinen).
Übrigens habe ich auf Bauernhoftour eine Geburt eines Kalbes
aus 2 Metern entfernung live mitbekommen. Ich war total
fasziniert. Habt ihr sowas schon mal gesehen??? das ist so
schön! Leider hatte ich keinen Fotoapparat dabei
*heulschnüff*, das wär das totale Highlight gewesen. ich
selbst werde dieses Erlebnis zwar nie vergessen, aber sowas
auf dem Foto ansehen zu können ist ja doch noch was anderes.
Heute nachmittag war eine Ratte da, dieser kleine Hund (ich
berichtete glaube ich in den ersten Tagen) mit dem
gebrochenen Beinchen kam zum verbandswechsel, mein Onkel war
mit seiner Perserkatze da ("Was machst du denn hier!?!"...er
wusste es noch nicht ;-)) und ein Kaninchen mit Kokzidien.

An Morgen mag ich gar nicht denken. Der letzte Tag. Ich
fordere eine Verlängerung des Praktikums, sofort, und zwar
hallidalli ;-)
Nee, im Ernst. Das waren welche der schönsten drei Wochen
meines Lebens.
Und nun kann ich sogar Kaffee kochen *loool*
:-)))
Einen Tierarzt (es sind ja drei) werde ich jedoch in Zukunft
öfter sehen, ich soll bei ihm babysitten :-) *froi* Er hat
vier Kinder zwischen 2 und 5 *uff* :-)
Mit ihm versteh ich mich auch super, ich verstehe mich mit
allen super, mit jedem auf eine andere Weise, einfach ein
tolles Team dort. Die TA-Helferinnen haben mir alles
mögliche beigebracht, von Laborsachen und Bluttests bis
Spritzen aufziehen und und und. Ich werde das sehr
vermissen, wirklich, ich hätte nie gedacht wie mir dieser
Job, und diese Menschen, in recht kurzer Zeit so ans herz
wachsen könnten. Und, was glaubt ihr, was die eine
TA-Helfrein zu mir gesagt hat heute nachmittag? "Du kannst
ja gerne in den Ferien kommen und hier arbeiten!" ---hab
mich wahnsinnig gefreut und werde auch zu 99,9 % auf dieses
tolle Angebot zurück kommen.
Ich hätte niemals in meinem Leben gedacht, dass sich mein
Berufswunsch noch ändern könnte. Seid ich 5 bin möchte ich
Hebamme werden, ich habe mich nie davon abbringen lassen und
wenn einer meinte "Wart man ab, das ändert sich noch" bin
ich fast ausgeflippt. Und nun nach diesem Praktikum bin ich
hin und hergerissen, vielleicht sollte ich Tierhebamme
werden *lach*
Es war so toll, morgens zu kommen,  zu fragen ob ich schon
was helfen kann, die Abgabebelege vom Drucker zu nehmen und
einzu sortieren, oder die k.B.'s in den PC einzutragen. Da
war ich irgendwie in meinem Element und wenn ich mittags die
Jacke anzog weil ich mittagspause machen sollte und auf
einmal merkte da lagen neue Zettel auf dem Drucker zog ich
die Jacke wieder aus und sortierte erst die Zettel ein. Das
machte mir alles nichts, und ich denke, das ist doch das
wichtigste in einem Beruf, dass man alles gern macht, oder?

Jedenfalls- das war eine super zeit. Naja, morgen hab ich ja
noch. Aber den Tag morgen werde ich bestimmt anders erleben,
immer mit dem Gedanken dass ich alles nun erst mal ein
letztes Mal erlebe, dass ich erst mal das letzte Mal die
Besamungsprotokolle führe und so weiter und so fort- anders
halt. Nicht so, wie ich Montags geholfen habe mit dem
Gedanken die ganze Woche liegt noch vor mir und "ich habe
alle zeit der Welt", noch viel zu lernen.

Also- morgen abend bekommt ihr dann (vorerst) den letzten
Praktikumsbericht, und ich finde es toll dass ihr diese
berichte so gern gelesen habt und auch interessiert wart.

Gute Nacht, und bis morgen,
Melli
PS: wenn ihr morgen abend um 18:30 Uhr mal zur Uhr schaut
dann denkt dran, in dem Moment gehe ich womöglich gerade mit
Tränen in den Augen aus der Praxis ;-)
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......letzter Tag..........

Hallöchen Liste,
das war er nun, der letzte tag meines praktikums beim TA.
Heute morgen lief alles wie üblich, bin mit gefahren auf
bauernhoftour, besamt, Nachgeburt entfernt, 220 Rinder BVD-
geimpft. UNd Besamungsprotokolle geführt, wie sonst auch.
U.a. war da noch ein Rind mit gebrochenem Bein, und zwar
sowas von gebrochen dass man es nicht wieder richten kann,
leider wurde nun sein Todesurteil gefällt. Selbst wenn man
es versucht hätte, wäre es ein riesiger Kostenaufwand
gewesen und das hätte nichts mehr für den Bauern
eingebracht, und weil das Rind eh schon "älter" war (ca. 19
Monate) wird es morgen leider geschlachtet. (Beim Kalb sieht
das aber anders aus!) Der Landwirt muss eben sehen wie er
sich über die Runden bringt, der Hof und die Tiere, das ist
sein Job, und leider muss man immer wieder feststellen, dass
Rinder einfach wie Gegenstände behandelt werden und als ob
sie keine Seele hätten.
Es gibt aber auch richtig tolle Höfe mit riesigen, offenen
Stellen, die hell und fröhlich aussehen, und wo es nur das
grünste heu gibt und der bauer seine Tiere auch streichelt.
Mir hat es immer weh getan wenn der bauer die Kuh getreten
hat weil sie aufstehen sollte (ok, sie sind vielleicht
robuster als man vielleicht glaubt, aber mir tun sie halt
trotzdem leid. Sind ja schließlich auch Lebewesen!).
Habt ihr eigentlich schon mal einer Kuh in die Augen
gesehen? Wenn ihr mal (im Sommer) neben einer Weide steht,
dann stellt euch einfach mal hin und schaut den Tieren in
die Augen.Und dann werdet ihr sehen, was sie für einen
sanften, beruhigenden Blick haben, und wie gutmütig das
aussieht und wie freundlich.
Und woran ich ganz fest glaube, ist, dass die Tiere genau
wissen was ihnen blüht. Ich kann mir nicht vorstellen dass
sie sich nichts dabei denken wenn auf einmal ein Laster
kommt und sie / ihre Artgenossen abholt. Man kann in so
einen Kopf nicht reingucken, aber ich glaube einfach fest
daran, und manchmal, wenn ich in die Augen der Tiere sehe
mit dem sanften Blick, dann habe ich das Gefühl als würde
das Tier sagen "Schau, was ihr mit uns macht. Ihr haltet uns
für blöde. Wir wissen genau was ihr vorhabt." Und wenn die
Tiere bölken wenn sie enthornt oder gespritzt werden, und
gleichzeitig immernoch diesen Blick drauf haben, dann sagen
sie "Schau hin, oder kannst du nicht? Das machen wir alles
nur durch, um irgendwann zu sterben und in eurer Pfanne zu
brutzeln". Okay, vielleicht denken sie nicht *so* weit, aber
ich hoffe ihr wisst was ich sagen will...halt, dass sie auch
denken und fühlen können. Und nur weil sie nicht reden wie
wir es können, heißt es ja nicht, dass sie auch nichts sehen
und fühlen und denken können.
Also, wie gesagt: Schaut so einem Tier in die Augen, ich
denke oft, wir sollten nicht wegsehen. Wenn sie auf unserem
Teller liegen sehen wir schließlich auch nicht weg.

Gegen 12 waren wir wieder in der Praxis, weil nichts los war
machte ich Mittagspause.
Nachmittags waren dann wieder Impfungen bei Hund und Katz,
ein Test auf Katzenleukose und eine Katze die geworfen hatte
und bei der 2 der drei Babys verstorben waren. DIe toten
babys wurden untersucht (*schluck*) und das überlebende (mit
Nabelinfektion) wurde gespritzt, entwurmt und von mir
gestreichelt. Die Mutter wurde auch entwurmt.
Dann war noch ein Hund da, der eine Warze am Bein hatte. Die
war schon gute 6 cm lang und hing herunter. Sie wird nächste
Woche entfernt. Ich wollte gerade denken "na, das wird
spannend", als mir wieder einfiel, dass ich bei dieser
kleinen OP besitmmt nicht dabeisein werde ;-(

Als Dankeschön habe ich dem TA-Team eine kleine Snackbar
gebastelt, einen kleinen Karton verziert mit himmelblauem
Geschenkpapier, und rundum beklebt mit den süßestes
Tierbildern. Der Karton war bis oben hin gefüllt mit
"Nervennahrung" wie Riesen von Storck, Mars, Bounty und Co.
Für die Praxishunde waren Leckerlies dabei.
Danke an alle, die um halb sieben an mich gedacht haben, da
hab ich mit den TA-helferinnen noch einen netten Smalltalk
geführt *grins*
...
Ich bedanke mich bei allen, die so interessiert mitgelesen
haben. Und für die supernetten Mails, die ich hin und wieder
bekommen habe. Wirklich, ich hab mich immer riesig gefreut
und immer versucht, sie möglichst gleich zu beantworten,
sorry wenn ich es bei jemandem nicht sofort geschafft habe,
waren halt schöne, aber auch manchmal stressige 3 Wochen.
Ich denke, dass die drei Wochen auch interessant waren, weil
es euch gibt :-), denn von euch wusste ich die ein oder
andere Krankheit und deren Symptome und habe manchmal sogar
in einer Sekunde gedacht "Die und die Krankheit" und in der
anderen Sekunde sagte der Doktor "Das ist die und die
Krankheit", also genau wie ich gedacht hatte.

Nun sind die 3 Wochen vorbei *ach? ;-)* und ich habe viel
gelernt und bin heute abend einfach nur noch stehend k.o.
*lach*

Ich hoffe, ich habe niemanden gelangweilt :-))

Schlaft schön, und danke für alles
Eure Melli
(die sich jetzt ins Heia packt)
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